Ist Google Chrome wirklich der klare Sieger?

chromeVielerorts wird einerseits aufgrund subjektiver Vorlieben, andererseits basierend auf mehr oder weniger umfangreichen Benchmarktests von Google Chrome als dem neuen Platzhirschen in der Welt der Internetbrowser geschrieben. Der Vorsprung auf den härtesten Konkurrenten Mozilla Firefox wird meist als „deutlich“ oder „drastisch“ beschrieben. Aber ist das Rennen schon so eindeutig entschieden? Hat Mozilla Firefox wirklich so deutlich das Nachsehen?

Ganz ohne aufwendige Tests unter möglichst fairen Laborbedingungen, verlassen wir uns auf die alltägliche Erfahrung. Einerseits schöpfen wir hier aus eigenen Eindrücken, andererseits hören wir die Rückmeldungen unserer Kunden. Dabei wird vor allem eines klar: Google Chrome ist nicht automatisch und ohne Einwände die klare Nummer eins unter den Browsern!

Keine Frage: Die Geschwindigkeit – sowohl beim Start als auch beim Surfen – ist beeindruckend. Google Chrome ist flott und flutscht an allen Ecken und Enden. Unwillkürlich fragt man sich: Wie macht er das? Ist sein Konkurrent Firefox so ein Softwarekoloss, dass er daher lahmer und träger wirkt? Nein, auch bei Google kocht man nur mit Wasser: Der Geschwindigkeitsschub ist nicht mehr und nicht weniger als das Resultat von Google Chromes großzügiger Speichernutzung. Bei zwei, drei geöffneten Tabs verbraucht Chrome bereits locker flockig gerne einmal das doppelte an Arbeitsspeicher als der feurige Fuchs. Das mag auf topaktuellen Rechnern kaum ein Problem darstellen. Auf einem unserer Notebooks hat das aber sehr wohl Auswirkungen. Zugegeben: Der Speicherhunger fiel uns zunächst nicht wirklich auf, bis sich nach bereits kurzer Surfzeit der CPU-Lüfter derart laut zu Wort meldete, dass ein Blick in den Taskmanager uns beinahe den Atem raubte. Von 2 Gigabyte verbautem RAM, genehmigte sich Chrome stolze 1,4 Gigabyte. Das raubt natürlich parallel laufenden Anwendungen inklusive des Betriebssystems den Atem. Im Vergleich: Firefox dümpelte mit den selben offenen Seiten bei rund 400 Megabytes herum. Wer nun glaubt, wir hätten aufgeblasene Multimedia-Websites geöffnet, der täuscht sich leider.

Weitere vermeintliche Vorteile hat der Google’sche Browser ganz zweifelsfrei bei seiner strikteren Pluginpolitik. Ähnlich wie beim Smartphone-Betriebssystem Android gibt es auch hier bei Google ganz klare, strenge Richtlinien, die bestimmte Zugriffe und Änderungen am System von Haus aus nicht zulassen. Natürlich ist Chrome dadurch vermutlich der sicherere Browser. Das hat beim ein oder anderen Add-On jedoch spürbare Auswirkungen: So fehlen hier und da vom Firefox-Add-On bekannte Funktionen, weil sie Chrome schlicht nicht zulässt. Der Ottonormalverbraucher wird dies vermutlich eher selten bemerken, wir bei unserer Entwicklungsarbeit hingegen schon.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Chromes Geschwindigkeit ist beeindruckend und macht Spaß, hat aber auch ihre Tücken. Eine Senkung des Speicherhungers durch die Entwickler würde logischerweise  zu Einbußen bei der Performanz führen, weswegen hier keine Änderung zu erwarten ist. Insofern sollte man schon selbst testen, welcher Browser der ganz persönliche Liebling ist. Blindes Vertrauen auf theoretsiche Tests sind hierbei sicher der falsche Weg.

Bemerkenswert in diesem Zusammenhang dürfte unsere jüngste Facebook-Umfrage sein. Demnach nutzen rund 75% aller Teilnehmer nach wie vor Mozillas Firefox. Nicht ganz so deutlich, aber in der Tendenz nicht weniger klar, äußert sich das auch in den Besucherzahlen der Webseiten, die wir administrieren.